{"id":822,"date":"2021-03-30T19:10:45","date_gmt":"2021-03-30T17:10:45","guid":{"rendered":"https:\/\/feldgespraeche.de\/?page_id=822"},"modified":"2021-10-22T14:07:21","modified_gmt":"2021-10-22T12:07:21","slug":"indien-und-zurueck-kapitel-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/indien-und-zurueck\/indien-und-zurueck-kapitel-3\/","title":{"rendered":"Indien und zur\u00fcck &#8211; Kapitel 3"},"content":{"rendered":"<section class=\"av_textblock_section \"  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock  '  style='font-size:16px; '  itemprop=\"text\" ><h2>Indien und zur\u00fcck.<\/h2>\n<blockquote>\n<p>Auf der Suche nach Geschichte und Spiritualit\u00e4t &#8211; Kapitel 3<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die nachfolgenden Tage waren unspektakul\u00e4r. Faulenzen und versuchen etwas in die Mentalit\u00e4t der Inder einzutauchen. Durch die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Freundlichkeit der Bev\u00f6lkerung viel es nicht schwer, schnell in Kontakt zu kommen. Mir war aber auch bewusst, dass ich dieser Art der Ruhe nicht lange folge leisten kann. Viel zu viele in Deutschland entstandene Ideen und Abendteuer schwirrten in meinem Kopf umher und ich wollte diese langsam aber sicher angehen. Ich wollte Land und Leute so kennen lernen, wie sie kein oder selten ein Tourist vorfindet. Arbeiter in Fabriken besuchen und Familien in ihrer armen und aussichtslosen Situation begegnen.<br \/>\nBen! Er war f\u00fcr mich die richtige Entscheidung f\u00fcr diese Art einzutauchen. Ben war der Taxifahrer, der mich schon auf den ersten Kilometern begleitete und dessen Telefonnummer ich f\u00fcr Notf\u00e4lle bekommen hatte. Ich habe Amal gebeten Ihn zu kontaktieren und p\u00fcnktlich stand er und sein Auto dann am n\u00e4chsten Tag vor der T\u00fcre.<br \/>\nNoch vor der \u201cAufwachmusik\u201d r\u00fcttelte mich Amal aus dem Schlaf und meldete, dass mein Fahrer jetzt da sei. Oh ja. Die Vorstellung eines eigenen Chauffeurs gefiel mir gut. Ich flog durch das Bad und die Wohnk\u00fcche und verlie\u00df mit einer halben Banane im Mund das Haus. Ben l\u00e4chelte und freute sich wohl sehr \u00fcber diesen merkw\u00fcrdigen aber auch lukrativen Auftrag. Alle Urlaubsg\u00e4ste w\u00fcnschen sich sch\u00f6ne Str\u00e4nde oder Sehensw\u00fcrdigkeiten zu besuchen \u2013 du bist komisch! Du bist crazy, meine er l\u00e4chelnd. Eigentlich hatte ich Sorge, dass er gar nicht verstand, was ich eigentlich wollte. Aber er entt\u00e4uschte mich nicht und wie einer akribisch vorbereiten Agenda folgend arbeitete er mein ihm \u00fcberlassenes Programm fehlerfrei ab. Ich entschloss mich spontan auf der R\u00fcckfahrt sein Engagement f\u00fcr weitere zwei Tage zu verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Die Fahrt mit der Eisenbahn war eines meiner wichtigsten Abendteuer auf meiner Liste. \u00dcbervolle Z\u00fcge mit Menschen auf den D\u00e4chern und atemberaubende Landschaften. Ben hatte schon bei meiner Ankunft und der ersten gemeinsamen Fahrt von mir erfahren, dass dieser innige Wunsch unbedingt erf\u00fcllt werden will. So war es f\u00fcr mich nicht verwunderlich, dass dieser herzliche und vorausschauende Mann sich auch dar\u00fcber Gedanken machte und mir von einem einheimischen und wenig von Touristen besuchen und bekannten heiligen Fest erz\u00e4hlte. Die einzige Bedingung: ich h\u00e4tte auch seine Kosten der mehrt\u00e4gigen Reise zu \u00fcbernehmen. Was ich noch nicht ahnte war, dass dieses Unterfangen f\u00fcr einen Hindu zu den Pflichten des Glaubens geh\u00f6rt, wenn m\u00f6glich einmal im Leben an die S\u00fcdspitze Indiens zu reisen um an diesem besonderen Fest teilnehmen zu k\u00f6nnen. Also so, wie es auch den Moslimen und der heiligen Stadt Mekka bestimmt ist. Diese Reise ist f\u00fcr viele Hindus zu kostspielig und beschwerlich und der Besuch setzt oft ein jahrelanges und diszipliniertes sparen voraus.<\/p>\n<p>Die folgenden vier Tage &#8211; voller Erwartungen auf diesen Tag &#8211; waren anstrengend. So sehr freute ich mich auf den gro\u00dfen Tag. Meine Reise nach Kanyakumari.<\/p>\n<p>Endlich ging sie Sonne auf und ich war schon fr\u00fch auf den Beinen. Reisefertig! Noch bevor Amal mich wecken konnte. Schade. Genau heute war Ben unp\u00fcnktlich. Es dauerte bis er endlich erschien. Wo ist das Auto? Fragte ich erstaunt. Wir fahren nicht mit dem Auto. Zu Fu\u00df, Bus und Bahn. Ja, verstehe. Alles gut. Ich wollte das ja so\u2026<br \/>\nMit dem Bus ging es in die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Stadt und danach bestieg ich zum ersten mal im Leben einen indischen Zug. Ein atemberaubendes Gef\u00fchl. Die Reise ging zun\u00e4chst zur\u00fcck in die Hauptstadt Thiruvananthapuram. Hier hatte er dann unsere Tickets zur weiterfahrt gekauft. Wann geht der Zug? Fragte ich neugierig. In f\u00fcnf Stunden antwortete er. F\u00fcnf Stunden warten? Ja, das ist besser als kein Ticket und kein Platz im Zug \u2013 oder? Hier musste ich ihm recht geben und wir nutzten die Zeit f\u00fcr eine kleine Besichtigungstour in dieser unruhigen Stadt.<\/p>\n<p>Zwei Stunden vor Abfahrt gingen wir dann auf den auf dem Ticket notierten Bahnsteig. Hier waren nicht besonders viele Menschen und es dauerte noch eine Weile, bis der Zug einfuhr. Leer. Prima dachte ich. Ben setzte sich auf eine bequeme und mit Plastikleder \u00fcberzogene Bank in einem leeren Abteil. Die Ventilatoren sausten auf Hochtouren und versuchten die stickige Luft zu vertreiben. Ich zog es vor, mich auf den Boden an der offenen T\u00fcre zu setzen. Ein bisschen Abstand von ihm tat mir gut. Der Zug f\u00fcllte sich schnell. So schnell, dass ich es \u00fcbersah, den Weg zu Ben in sein Abteil zu finden. Sp\u00e4ter mochte ich mich nicht mehr durch diese vielen Menschen qu\u00e4len. Der Zug fuhr los und es dauerte nicht lange als die ersten Passagiere versuchten mit mir in Kontakt zu treten. Ja fast aufdringlich erschien es mir. Jeder in diesem Wagon wollte mich anfassen, ber\u00fchren, ein Selfie mit mir: dem Mann aus Deutschland.<\/p>\n<p>Die Fahrt dauerte nur wenige Stunden und es f\u00fchlte sich gut an dort angekommen zu sein. Ben hatte es eilig in die Stadt zu kommen. Die Suche nach einer Unterkunft hatte f\u00fcr ihn oberste Priorit\u00e4t. Als wir uns dem Zentrum n\u00e4herten wurde mir bewusst worauf ich mich eingelassen habe. Zu beschreiben oder abzusch\u00e4tzen wie viele Menschen diesen Ort besuchten war mir nicht m\u00f6glich. Mit gutem Verhandlungsgeschick und ausreichend Devisen hatte er dann nach einiger Zeit ein Zimmer ergattern k\u00f6nnen. Wir g\u00f6nnten uns eine kleine Verschnaufpause und machten uns etwas frisch.<br \/>\nGegen Abend hin zog es uns dann wieder nach drau\u00dfen. Das Flendern durch die Stadt war angenehm. Jedoch hatte ich Schwierigkeiten mich der Mu\u00dfe hinzugeben, die dieser Ort verdient gehabt h\u00e4tte.<br \/>\nMittlerweile wurde es dunkel. Wir besuchten eine kleine Garage, die zu einem Restaurant umfunktioniert war. Unbeschreiblich das zu sehen, mit welchen Improvisationsk\u00fcnsten hier agiert wurde. Jeder Quadratmeter wurde genutzt um alle Pilger und Besucher irgendwie versorgen zu k\u00f6nnen. Das Essen und die Getr\u00e4nke waren einheitlich. Jeder bekam das Gleiche auf den Tisch. Niemand hier hatte den Bedarf nach einer umfangreichen Speisekarte. Jeder war froh um die einfache Kost die den Hunger stillte. Eine Ausnahme gab es dann doch. Zu meinem Essen wurde mir ein kleines Sch\u00e4lchen mit gehobelten Zwiebeln serviert. Ben \u00fcbersetzte mir hinterher, dass der Gastgeber darum gebeten hatte. Ich solle diese kleine Schale mit den rohen Zwiebeln unbedingt essen. Er w\u00fcrde sich sorgen und er sei sich dabei nicht sicher, ob ich alle indischen \u201cStandards\u201d gesundheitlich vertragen w\u00fcrde. Diese F\u00fcrsorge hatte mich schwer beeindruckt.<br \/>\nNach dem Essen liefen wir zum Wasser hinunter, \u00fcber den Markt, an den vielen Buden und St\u00e4nden vorbei. Vorbei an den vielen kleinen Gr\u00fcppchen, die sich zum Gebet versammelt hatten. \u00dcberall der Geruch von R\u00e4ucherst\u00e4bchen, S\u00fc\u00dfigkeiten, Feuer und der, der vielen tausend Menschen.<\/p>\n<p>Ben mahnte, jetzt bald ins Bett zu gehen. Morgen m\u00fcssten wir ja fr\u00fch raus um das gro\u00dfe Ereignis \u2013 den Sonnenaufgang und die Zeremonie auf der Insel zu erleben.<\/p>\n<\/div><\/section>\n<div  class='avia-button-wrap avia-button-left  avia-builder-el-1  el_after_av_textblock  avia-builder-el-last ' ><a href='https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/indien-und-zurueck\/indien-und-zurueck-kapitel-4\/'  class='avia-button  avia-color-theme-color   avia-icon_select-no avia-size-large avia-position-left '   ><span class='avia_iconbox_title' >Kapitel 4<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":805,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-822","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=822"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1713,"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/822\/revisions\/1713"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/feldgespraeche.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}